31.10.2021 Tag 228 Vom Bramwald in den Reinhardswald

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Da Anke einen Kocher mitgebracht hat, genießen wir ab jetzt abends warmes Essen und es gibt auch einen Morgenkaffee. 

Nach dem relaxten Frühstück wandern wir weiter durch den Bramwald. Schon bald haben wir die Grenze nach Hessen überschritten, dem letzten Bundesland der Wanderung!

Im Bramwald überwiegen die Buchen, oft in Jungbeständen ohne Altbäume, manchmal aber auch in dichten, geschlossenen älteren Beständen.

Schließlich verlassen wir den Wald und sehen die Weser unter uns, die wir in Oedelsheim mit der Seilfähre überqueren, die lediglich Platz für zwei Autos hat. Am anderen Ufer wartet Stefan, ein alter Freund aus Marburg, der in Immenhausen am Südrand des Reinhardswaldes aufgewachsen ist, der auf dieser Seite aufragt. Der recht steile Abfall zur Weser ist überwiegend mit Laubbäumen bewachsen. Fast 1300 Hektar des hessischen Staatswaldes hier wurden vor einigen Jahren aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen, eine der größten Flächen dieser Art in Hessen. 

Auf Fahrwegen geht es nicht zu steil aufwärts. Auch hier im hessischen Staatswald ist der Wald leider standardmäßig mit Rückegassen im 20 Meter Abstand erschlossen worden. Inzwischen ist dieser zwar nach dem FSC- Siegel zertifiziert, das bis vor einigen Jahren einen 40 Meter Rückegassenabstand erforderte. Mittlerweile wurde dieser durch eine maximal zu befahrende Fläche von 12,5 % ersetzt, was im Durchschnitt einem etwas geringerem Abstand als 40 Meter entspricht. In der Praxis ist so ein durchschnittllcher, flächenbezogener Abstand aber kaum zu überprüfen, daher wird es in den meisten Fällen wohl bei den bisherigen zwanzig Metern bleiben…

Schließlich erreichen wir die Hochfläche des Reinhardswalds, auf der bis 2018 noch ausgedehnte Fichtenbestände standen. Ein Großteil davon wurde dann vom Sturm Friederike geworfen, die nachfolgende Borkenkäfermassenvermehrung brachte weitere große Flächen zum Absterben. Glücklicherweise sind Laubbäume hier nie weit entfernt, vor allem die Birke scheint sich gut natürlich zu verjüngen, daneben sehe ich auch viel Lärchen- Naturverjüngung. Es wurden aber auch bereits große Gatter gebaut, in die teilweise Eichen gepflanzt wurden. 

Dennoch empfindet Stefan, das Waldgebiet seiner Heimat als „Zerrupft“ und hat Sorge, dass das noch schlimmer wird, wenn die Pläne zum Bau von etlichen Windrädern realisiert werden. Tatsächlich ist der Reinhardswald bereits jetzt von Windrädern umringt. Muss es wirklich sein, dass dieses große Waldgebiet auch noch für die Energieerzeugung erschlossen wird?

Ich halte es für wichtig, dass es auch weiterhin in Deutschland Wälder gibt, die komplett von der Windkraft ausgespart werden, denn die starken optischen und akustischen Auswirkungen dieser Technik sind nicht wegzudiskutieren und ich denke Werte wie Ruhe und Waldeinsamkeit werden in Zukunft noch wichtiger werden. 

An der Sababurg, bekannt aus dem Märchen von Dornröschen verlässt uns Stefan. Bald darauf erreichen wir den „Urwald“, tatsächlich ein alter Hutewald aus Eichen und Buchen mit einigen eindrucksvollen, mächtigen Baumgestalten, aber auch bereits zahlreichen Baumruinen. Heute an diesem schönen, milden Herbstsonntag sind hier viele Leute unterwegs, dennoch gefällt uns dieser Wald, in dem ehemals das Vieh weidete, sehr gut. Als wir den Bereich verlassen haben, gelangen wir durch größere Gras- und Birkenflächen, offenbar die früheren Stürmen gefolgte Vegetationsentwicklung. An den Wegen fallen zahlreiche, knorrige Eichen auf. Das Wiesental der Holzape wird von einem Beobachtungsstand überblickt, von dem aus sich bestimmt schöne Wildbeobachtungen machen lassen. Leider gibt es weite Kahlflächen auf der anderen Seite, die aber offenbar bereits wieder aufgeforstet worden sind. 

Schließlich schlagen wir in einem jungen Eichenwald unser Lager auf, lediglich mit der Plane als Dach über uns. 

Während ich schreibe, kocht uns Anke ein leckeres Essen. Anschließend genießen wir bei der heutigen milden Temperatur den nächtlichen Wald. 

Früher Morgen
Im Bramwald
Buchenland
Die Weser bei Oedelsheim
Seilfähre
Treffen mit Stefan Brückner
Auch in Hessen ist leider 20 m Rückegassenabstand der Standard
Die natürliche Wiederbewaldung läuft hier teilweise gut
Mittagspause
Sababurg
Im “Urwald”
Ein alter Hutewald
Es steckt noch Leben in der Eiche!
Baumgiganten
Küstentanne im Plastikschutz- teuer und eine langfristige, ökologische Zeitbombe
knorrige, alte Eichen an den Wegen

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