5.10.2021Tag 202 Im Regen in den Hevenbruch

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Leider funktioniert der Boiler an der Dusche in einem Gebäude in der Nähe nicht, dennoch kann ich mich waschen und rasieren. Anschließend habe ich noch lange damit zu tun, das gestern erlebte festzuhalten und gehe dann zum Frühstück mit Gwen und Lutz. 

Lutz ist nicht lediglich in Deutschland tätig, sondern auch international ein sehr gefragter Berater, der in so unterschiedlichen Ländern wie Georgien, Russland oder Schweden dabei hilft naturnahe Waldnutzungsverfahren wie in Lübeck einzuführen. Die Gespräche mit Lutz sind so interessant, dass ich mich kaum trennen kann, dennoch breche ich gegen elf im Regen auf. Es regnet nicht allzu stark, aber stetig, was im Wald ganz ok ist, aber in offener Landschaft doch langsam aber sicher einen ganz schön durchnässt. Daher suche ich mir ein trockenes Plätzchen im Hevenbruch, unter einer alten, nicht mehr funktionsfähigen Jagdkanzel und warte erst mal ab. Das Hevenbruch ist mit 185 Hektar die größte Referenzfläche im Stadtwald Lübeck und wird durch Laubwald geprägt, Buche aber auch sehr wertvolle, starke Eichen sind vertreten. Ich habe viel mit den nächsten Terminen zu tun, und zur Zeit keinen Druck vorwärts zu kommen, daher ist die Regenpause für mich kein Problem. Stundenlang harre ich unter der Kanzel aus, wobei ich ab und zu ein Eichhörnchen beobachte. In der Nähe ist eine kleine Lichtung entstanden, dadurch dass einige Buchen im Sturm umgefallen sind. Es wird sehr interessant zu beobachten sein, wie sich diese Fläche entwickelt. Kommen in dem Verhau aus umgestürzten Stämmen sofort junge Eichen und Buchen hoch, ohne zu stark verbissen zu werden? Bleibt die Lichtung vielleicht sogar lange erhalten, dar das Wild sich hier bevorzugt aufhält und die Waldentwicklung verlangsamt? Siedeln sich Pionierbäume wie Birken und Aspen an, in deren Schutz sich dann irgendwann die ersten Buchen einstellen? Interessante Fragen, die nur beantwortet werden können, wenn man solche unbeeinflussten Referenzflächen hat, und diese beobachtet. 

Weiterhin wächst nicht allzu weit entfernt ein noch intakter, etwa 70-jähriger Fichtenbestand. Wird sich dieser auch in der nächsten Dürreperiode halten? Wird sich hier natürlicherweise ein Laubwald einstellen oder ist auch in der nächsten Generation noch ein hoher Fichtenanteil vorhanden? 

Wer glaubt, er wüsste stets wie sich die Natur entwickelt, sollte solche Referenzflächen einmal längere Zeit beobachten. Ich bin davon überzeugt, dass es hier immer wieder Überraschungen gibt!

Da es nicht aufhört zu regnen, schlage ich schließlich mein Lager zwischen Buchen- und Fichtenbestand auf und ziehe zum ersten Mal seit Monaten meine Daunenjacke über, da es zwar nicht kalt, aber doch recht kühl ist. 

Lernfläche Hevenbruch
Buche und Eiche koexistieren hier wie so oft
nasses Lager
Wie wird sich der Fichtenwald entwickeln?
Kleine Windwürfe gibt es auch in Laubbaumbeständen, sie sind wichtig für licht- und wärmeliebende Arten

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