Koalitionsvertrag und Windkraft im Wald

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Während es grundsätzlich positiv ist, dass sowohl Umwelt- als auch Landwirtschaftsministerium an die Grünen gehen, sehe ich die Ausbaupläne der Koalition was Windkraft im Wald angeht, sehr kritisch. Ich war während meiner Dienstzeit auch damit befasst, die Rodungen für Windparks umzusetzen und weiß damit sehr gut, dass betroffene Waldgebiet sich sehr stark verändern. Die neue Regierung plant nun, die Windkraft massiv auszubauen und will dazu Einspruchsmöglichkeiten und Naturschutzauflagen drastisch reduzieren. Ich halte es für sehr traurig, dass man in dieser Frage tatsächlich die Klimaschutzpläne der Ampelkoalition bekämpfen muss, aber die Argumentation es ginge nicht anders, und man müsse halt die Industrialisierung weiter Waldgebiete in Kauf nehmen, wenn man den Klimawandel bekämpfen will, halte ich für verfehlt. Es gibt immer technische Alternativen! In diesem Zusammenhang findet auch das Einsparen von Strom überhaupt keine Beachtung. Wenn jemand wie Olaf Scholz die Berechnung der chemischen Industrie kommentarlos hinnimmt, dass sie 2045 so viel Strom braucht, wie heute ganz Deutschland, fällt einem doch gleich ein, dass das doch wohl unmöglich ist. Aber wer wie Scholz, offenbar kein Stück an der Unmöglichkeit ewigen Wachstums zweifelt, akzeptiert solche absurden Berechnungen scheinbar einspruchslos.

Ich habe nichts gegen Windräder. Entlang von Autobahnen oder in anderen sowieso schon verlärmten Landschaften haben sie durchaus ihren Platz. Auf meiner Wanderung habe ich gesehen, dass es noch große Waldgebiete ganz ohne Windräder gibt, und das sollte auch so bleiben. Die notwendige Energiewende lässt sich auch umsetzen, ohne den Wald zum Industriegebiet zu degradieren!

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2 Gedanken zu „Koalitionsvertrag und Windkraft im Wald

  • 30. November 2021 um 22:20
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    Hallo Herr Klamer,

    Sie sprechen mir aus der Seele – wobei ich noch nicht einmal “grundsätzlich” gegen Windräder in unseren Wäldern bin. Aber bei der Welle, die jetzt aus uns zurollt, wird mir schummrig. Die schon vielfach geäußerten Kritikpunkte an (zu) viel Windenergieanlagen an bewaldeten Standorten müssen nicht wiederholt werden. Ich will jetzt nur auf einen Punkt hinweisen, der m.E. zu kurz kommt:

    Für mich – wie für viele andere “Waldmenschen” – waren (große) Wälder immer ein “Flucht- und Ruheort”: In den Tallagen liegen die Städte, die ausgeräumten landwirtschaftlichen Areale, die Gewerbegebiete und die Verkehrsinfrastruktur als Lärmbänder. Aber es gab gerade hier in Hessen noch die Höhen – oft bewaldet, wenig erschlossen, “einsam”, mit Baumbeständen, die den Lärm aus den Tälern ein wenig zurückhalten konnten, und mit großen, scheuen Tieren, die bereits meine kindliche Phantasie in Bewegung gesetzt hatten. Dort ließ sich ein- und abtauchen – und nach mehr oder weniger langen Märschen waren die Gipfel erreicht, von denen es sich in die Weite schauen ließ. Und ja – “über allen Gipfeln war Ruh´”!

    Viel zu wenige Menschen können sich vorstellen, was es bedeutet, „nur“ (!!) 2 % der hessischen Landesfläche mit Windenergieanlagen auszustaffieren! Hier zitiere ich einmal ungefragt (aber in der Überzeugung, dass mir dieses verziehen wird) einen befreundeten Biologen, Waldökologen und langjährigen Mitarbeiter einer Oberen Naturschutzbehörde: „Die 2 % der Landesfläche, die man generell für diese Anlagen reservieren will, sehen nach wenig aus. Aber man kann die Anlagen nur dorthin platzieren, wo genügend Wind weht. Das sind in den mittleren und südlichen Bundesländern vor allem Waldkuppen, die bisher letzte Rückzugsräume waren. Diese Standorte machen maximal 10 % der Landesfläche aus. Wenn sich aber 2 % der Gesamtfläche auf 10 % zusammendrängen müssen, dann werden dort 20 % in Anspruch genommen. Das bedeutet, dass die abgelegenen Bergwälder in weit höherem Maße industriell erschlossen und beeinträchtigt werden. Die Wälder werden weiter aufgehauen und erleiden massiven Sonnenbrand. Es dürfte die schlimmste Entwaldung bevorstehen, die Mitteleuropa seit dem Hochmittelalter hatte.“

    Wir und unsere Nachfahren werden hoffentlich nicht mehr so enthemmt „einmal eben“ und evtl. sogar über Kontinente hinweg dort hinfahren oder -fliegen, wo es schön ist. Dieser Abschied von der totalen Mobilität hat sehr viel mit Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu tun! Aber wo wollen wir denn noch hin, wenn in Zukunft sogar die großen Waldmeere in Hessen (wie wohl bald der Reinhardswald) auf den vormals einsamen Höhen industrialisiert, zerschnitten und verlärmt sind?

    DIESE Zukunft möchte ich mir nicht vorstellen müssen … Warum die meisten Naturschutzverbände (einigen hielt und halte ich über Jahrzehnte hinweg die Treue) diese Entwicklung mit Achselzucken hinnehmen, ist ein Thema, über das sich trefflich sinnieren ließe. Aber das heute nicht auch noch …

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  • 1. Dezember 2021 um 19:30
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    Hallo Herr Krüger,

    ich finde auch, dass das was sie da beschreiben in der Diskussion viel zu kurz kommt. Aber genau so sehe ich das auch! Die prozentualen Waldverluste mögen gering sein und werden hoffentlich größtenteils ausgeglichen, aber das der Wald großflächig zum Industriegebiet degradiert wird und dann eben nicht mehr der dringend notwenige Rückzugsraum für die Seelen ist, kann in seinen negativen Folgen kaum übertrieben gesehen werden.

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