Weltnaturerbe Slatioara

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28+ 29.4.2022

Es regnet kräftig die ganze Nacht und den kompletten nächsten Tag, daher bleibe ich im Zelt, lese und schreibe emails.

Am nächsten Morgen hat es aufgehört und ich breche gegen 7:30 auf. Die Wege sind jetzt richtige Bäche, unglaublich was für Wassermassen da runter gekommen sind. Alter Fichtenwald überwiegt, aber vielerorts sind junge Buchen dabei ihr verloren gegangenes Territorium zurückzuerobern. Es gibt einige Borkenkäferbäume und kleine Kahlschläge.  Ab 1400 Meter stapfe ich durch den nassen Schnee, trotz Schneeschuhen sacke ich häufig recht tief ein. 

Ein etwa fünf Meter hoher Wasserfall ist noch gefroren.

Als ich ausgedehnte Grasflächen erreiche, verschwindet der Schnee teilweise, es ist neblig, windig und ziemlich ungemütlich.

Von etwa 1600 Meter Höhe steige ich ab und gelange auf 1250 Meter in das 609 Hektar große Urwaldreservat Slatiora, das zum Buchenwald- Weltnaturerbe zählt. Es gibt keine Hinweisschilder, aber die durchnummerierten Bäume einer Versuchsfläche und natürlich auch die Waldstruktur zeigen den Beginn der Fläche klar an. 

Zunächst geht es durch urigen Fichtenwald mit sehr viel Totholz, größtenteils aus Windwurf. Es stehen aber auch noch große Fichten mit etwa einem Meter Durchmesser neben schwächeren Bäumen aller Durchmesser. Was chaotisch anmutet ist ein sehr abwechslungsreicher Wald, der wenig mit dem typischen, menschgemachten Fichtenforst gemein hat. Es gibt aber auch bereits einzelne Buchen und Bergahorne. Vor allem die Buchen scheinen sich in die Fichtenbereiche auszubreiten. Es gefällt mir so gut hier, dass ich schon mittags mein Lager aufschlage um ohne großes Gepäck den Wald zu erkunden. Doch zunächst regnet es mal wieder ein bisschen…

Schließlich breche ich hangabwärts wieder auf. Bald wird der Wald überwiegend von Weißtannen geprägt, aber auch Buchen und Fichten sind stets vertreten . Auch wenn die Buche nicht so auffällig ist, am Waldboden liegen überall ihre Blätter, was sicher zur Bereicherung des Bodenlebens und damit zur Produktivität des Waldes beiträgt. An etlichen Stellen blühen Seidelbast und Schuppenwurz, einmal entdecke ich eine Eibe. Nachdem ich in relativ flachen Terrain mit alten Bäumen, sehr starker Altersspreitung und viel Totholz zu einem Bach gelangt bin, geht es auf einem steilen Rücken durch dichten Tannenwald hoch bis zum nächsten Kamm. Felsvorsprünge gewähren Aussichten über das Urwaldreservat in dem vor allem die Tannen auffallen. Abends erscheint dann noch die Sonne und lässt Moose und Felsstufen im Bach leuchten. Auf dem Rückweg laufe ich ein Stück über den Kammweg, über den ich von der anderen Seite zu meinem Lager gelangt war. Es gibt hier recht viel Windwurf, den ich umgehen muss, aber nirgendwo sind alle Bäume umgestürzt. Erst gegen acht erreiche ich wieder mein Lager wo schon die Waldschnepfen mit knurrenden und zwitschernden Geräuschen fliegen. Gegen Morgen höre ich dann noch wahrscheinlich einen Habichtskauz, ein typischer Urwaldbewohner.


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